Person

Portrait

Severin Märkis Werke sprechen mit ihren harmonischen Formen und ihrer fein geschliffenen Oberfläche sowohl das Auge als auch den Tastsinn an. Die langen, aufrechten und im Lot stehenden Figuren sind ein Marken-zeichen von Severin Märki. Er nimmt den Urwuchs des Baum-stammes als gegeben und schält in einem aufmerksamen dialogischen Prozess sein Objekt aus der in der Natur gewachsenen Grundform.

Er respektiert dabei die Struktur der Maserung, die Jahrringe und die Astlöcher. Neben der Intuition, die den Künstler im Austausch mit seinem Rohmaterial leitet, folgt er aber auch den mathematisch berechenbaren Proportionen, nach denen jeder menschliche Körper aufgebaut ist. Seit mehreren Jahren befasst er sich intensiv mit dem Mensch und seiner physischen und psychischen Statik. So fügt er in einigen Arbeiten kubische Volumina zu organischen Gestalten. Formale Verwandtschaften und menschliche Proportionen sind darin (wieder) zu erkennen. Es entsteht menschliche Haltung, menschliche Emotion, menschliche Stimmung.

In runden, abgeschliffenen «Nüssen», «Samen» oder «Kieseln», wie er diese Art von Objekten nennt, kristallisiert Severin Märki die geballte Kraft der Natur heraus. Für diese Werke wählt der Künstler oft jenes Stück im Baum, wo der Stamm sich in die Äste verzweigt, wo ungezähmte Spannungen und widerstrebende Kräfte im Holz am Werk sind. Die Oberflächen sind blank geschliffen, kontrastieren aber – wo die Natur es so vorgibt –, mit der rauen Oberfläche der Baumrinde. Nicht selten spaltet es diese Objekte tief. Die klaffenden Risse laden zu einem Blick ins Innere des Geheimnisses ein.

Ähnlich eindrucksvoll sind die «Ketten-Objekte». Die beweglichen Teile des Objektes sind aus einem Stamm herausgeschnitten. Die einzelnen Kettenglieder zieht der Künstler dann in die maximale Länge oder fügt sie zu neuen Skulpturen. Nichts ist überflüssig, nichts geleimt oder getrennt und neu verbunden – ein Sinnbild für die Wandelbarkeit und Veränderbarkeit scheinbar kompakter Masse.

In seinem Meisterstück «Gallotron» wagt sich der Künstler an die harmonischste aller Formen, die Kugel. Mit knapp 5000 einzelnen Holzquadern formt er einen Holz-Mantel mit drei Metern Durchmesser. Der Betrachter schaut durch die Zwischenräume ins Innere der halbdunkeln Innenwelt. Er erhascht Ausschnitte des Raumes auf der andern Seite. Aber es gelingt ihm nicht, das Mysterium zu erfassen. So bleibt der Ausschnitt seiner Sichtweise begrenzt, die Neugierde auf mehr bestehen. Severin Märki spielt zurzeit mit dem Plan, die Kugel in einem Modell von 80 bis 100 cm Durchmesser nochmals zu bauen und sie dann allenfalls in Bronze zu giessen. Mit Bronze experimentiert er seit einigen Monaten. Er kann sich auf diese Weise von der Arbeit an Unikaten lösen und setzt sich mit einem ganz neuen Rohmaterial auseinander.

Severin Märki stellt sowohl Einzelobjekte als auch Paare oder Gruppen von Objekten aus. Die Wirkung erzielen die Objekte in ihrem Zusammenspiel und in der Beziehung zum «Andern». In der dialogischen Auseinandersetzung mit anderen Figuren nehmen die einzelnen Elemente eine Rolle, eine Funktion ein. Kommunikation entsteht in diesen Konstellationen.

Beim Betrachten und Berühren von Severin Märkis Objekten spürt man die Präsenz des Künstlers und fühlt sich aufgefordert, sich selbst in Bezug und Austausch mit ihm und seinen Werken zu setzen.

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